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Konzepte zum Programmieren mit Kindern sind vielfältig

In Vorbereitung auf die EU Code Week in Österreich kamen am Dienstag österreichische und internationale ExpertInnen zu einem Round-Table zum Thema „Programmieren mit Kindern“ im Wiener Kindermuseum zusammen.

Die Diskussion drehte sich um Konzepte für die Vermittlung von Programmierfertigkeiten an Kinder, und darum, welche Erfahrungen die ExpertInnen beim Programmieren mit Kindern gemacht haben. Ein weiteres Thema: Welche konkreten Angebote gibt es in Österreich, und wie können diese im Rahmen der EU Code Week ausgebaut werden?

Frances Rosamond & Michael Fellows von der Charles Darwin University Australien stellten ihr Lernkonzept „Computer Science Unplugged“ vor. Bei Computer Science Unplugged wird der Begriff „Coding“ breiter gefasst, und es wird versucht, den Kindern die analytischen Fähigkeiten ohne Computereinsatz zu vermitteln. Seit 2002 sind sie mit diesem Konzept erfolgreich unterwegs, mit der Unterstützung von Google können sie jetzt noch mehr Workshops in Australien anbieten.

Johann Stockinger von der Österreichischen Computergesellschaft (OCG) brachte die OCG-Projekte wie TurtleArt oder Robotics Workshop für Jugendliche aufs Podium, und erzählte von deren Bemühungen Lehrende für das Thema zu interessieren und geeigneten Angebote für sie zu schaffen. Da sei etwa die jährliche Veranstaltung „Education Day für PädagogInnen“ von OCG und IBM für Lehrende zu erwähnen.

Matthias Müller vom Team „catrobat“ an der TU Graz schilderte die Herausforderungen, ein Lernangebot für Jugendliche zu erschaffen nur aus dem eigenen Interesse heraus und dies ehrenamtlich zu betreuen. Mit der Programmier-App catrobat / pocketcode können sich Jugendliche selbst das Programmieren beibringen, alle Programme, die mit dieser App erstellt werden, kommen in eine Repository und stehen somit allen UserInnen für Weiterverarbeitung zur Verfügung. Das Team ist bestrebt, die Programmier-App pocketcode bei der EU Code Week in allen europäischen Ländern für Schulen im Angebot zu haben.

Sabine Harrer, Game Designerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ITU Copenhagen für Game Culture und Design, ging neben Design auch in Richtung Programmierung und begründet ihre Betrebungen mehr in Richtung Gamesentwicklung zu gehen, damit, dass sie selber verstehen möchte was machbar ist und dass sie auch selber umsetzen will.

Franz Knipp, IT Unternehmer aus dem Burgenland will mit seiner ersten Jugend-Coding-Woche Jugendliche inspirieren und für Programmierung begeistern, er will mit der Programmiersprache anfangen, die er am besten beherrscht. Er denkt auch darüber nach, die Kinder neben Programmierung auch über mögliche Jobprofile und Arbeitsfelder zu informieren und sie in diese neue Welt zu begleiten.

Christoph Derndorfer, als Freiwilliger bei dem One-Laptop-Per-Child Projekt (OLPC) in Österreich und als Trainer für viele Jugendworkshops, findet, dass die Aktionen und Maßnahmen Richtung Technik oder Programmieren nur Früchte tragen, wenn die Kinder selbst alles in die Hand nehmen und alles ausprobieren können. Um Mädchen weiterhin an Technik zu binden und ihre Beteiligung zu ermöglichen, sollten die Aktionen viel früher ansetzen, da sind die Mädchen gegenüber Technik genauso aufgeschlossen wie Buben.

Weitere Projekte die vorgestellt und diskutiert wurden: digikomp.at Kompetenzkatalog vom BMBF für Schulen bis zur 12.ten Schulstufe, Coding Aktivitäten bei A1 internetfüralle & Kinderuni Wien

Fazit aus der Diskussion:

1. Der Begriff „Coding“ darf ruhig noch viel breiter gefasst werden: Es geht hier nicht nur um die Fähigkeit, Software zu schreiben, sondern darum, analytische Fähigkeiten und Problemlösungskompetenz zu erlernen.

2. Es braucht mehr niederschwellige Angebote für Lehrer: Viele sehen Programmieren als eine Art Geheimwissenschaft, in die man nur einsteigen kann, wenn man sehr viel Zeit und Energie investiert. Das Gegenteil ist der Fall. Heutzutage gibt es viele Menschen, die sich diese Skills selbst aneignen. Solange Lehrer (und Eltern) mit ihrem Verhalten etwas anderes vermitteln, wird Programmieren aber nach wie vor als Geheimwissenschaft wahrgenommen.

3. Die Gender-Diskussion ist bei dieser Thematik sehr relevant: Wir „verlieren“ viele Mädchen und Frauen, die sich für Technik interessieren, im Laufe der Zeit. Die Dropoutquote bei technischen Studien ist sehr hoch.

Jetzt liegt es an uns, die vielen Ideen, Anregungen und Empfehlungen zu konkreten Projekten und Aktionen umzuwandeln. Da sind wir für jede Hilfe und Unterstützung dankbar, um die EU Code Week auf solide Beine zu stellen und inspirierende Projekte zu etablieren. Die ersten CodeWeek-Events für Österreich sind schon im Event-Kalender eingetragen.

Fotocredits: Christian Lendl

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Digital Champion Austria for the EU Commission Digital Agenda / Founder Digitalks - Austrian Network for New Media / Media and Management consultant / Executive Board Member of Open Knowledge Foundation Austria / passionate about digital - open - diversity

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